Über die Angst beim Meditieren

In den frühen Phasen der Meditation, auch Dharana genannt, erlebt der Meditierende oft Angst und Unbehagen. Dieser Artikel erklärt, wie Meditierende mit Angst und Unbehagen umgehen können.

Anfänger auf dem Weg des Raja, dem königlichen Weg der Meditation, erwarten, dass Meditation sie sofort zu Freude, Ruhe und Gelassenheit führt. Später geschieht dies auch. Doch in der Anfangsphase muss der Geist gereinigt werden. Giftstoffe wie unterdrückte Ängste, unerfüllte Wünsche und ungesunde Emotionen werden aus dem Geist gespült. Wenn der Meditierende darauf nicht gefasst ist, dann wird er zwangsläufig enttäuscht sein und sogar Schaden erleiden durch die Intensität und Qualität einige seiner Gedanken und Gefühle. Das größte Unbehagen in der Meditation rührt aus den Erwartungen des Meditierenden an seine Meditation.

Selbst-Verurteilung ist nicht nützlich in der Meditation

Meditation steigert das Bewusstsein unseres Geistes und seiner Natur. Es bringt uns in Kontakt mit unseren Gefühlen und innersten Wünsche und Erwartungen. Wenn ein Anfänger, der die verschiedenen Ebenen des Bewusstseins nicht kennt, meditiert, entdeckt er die sich verändernde Natur des Geistes, die chaotischen und unzusammenhängenden Gedanken und er verurteilt sich selbst. Je stärker die Identifikation mit den Gedanken des Geistes, desto größer ist die Selbst-Verurteilung. Sobald unerkannte Beweggründe und unterdrückte Gedanken erscheinen, fühlt sich der Meditierende oft schuldig und tut sich damit selbst weh. Die Gewahrwerdung vieler unerfüllter Wünsche und Erwartungen machen den Meditierenden oft wütend und frustriert. Dies ist die erste Schicht nicht akzeptabler Eigenschaften, die jeder Meditierende durchlaufen muss.

Viele Anfänger bekommen Angst und hören auf zu meditieren. Dies ist ein großer Fehler. Der Meditierende muss den gesamten Prozess der Meditation verstehen, so dass er auf diese erste Schicht nicht akzeptabler Eigenschaften vorbereitet ist. Eines der Leitprinzipien in der Meditation ist Ahimsa oder Gewaltlosigkeit.

Sei sanft zu dir in der Meditation

Diese erste Schicht der inakzeptablen Qualitäten wird dann überwunden, wenn der Meditierende die Bedeutung von Ahimsa oder Gewaltlosigkeit versteht. Wenn die Steigerung unserer Selbstwahrnehmung Satya oder Wahrheit ist, dann ist die Akzeptanz eines Gedanken als bloßer weiterer Gedanke, ohne sich selbst weh zu tun, Ahimsa. Im Kern geht es darum, dass wir uns nicht selbst verurteilen für unsere Gedanken, Wünsche und Gefühle. Ahimsa ist das Verständnis, dass Schuld und Selbst-Verurteilung nicht nützlich sind. Es bedeutet, dass wir keine Scham, Schuld oder Reue für unsere Fehler der Vergangenheit empfinden. Damit andere uns vergeben können, müssen wir uns zuerst selbst vergeben.

Der Prozess der Meditation führt nach Innen. Um zum Göttlichen, zum Selbst und zu Atman (oder wie immer du es benennen magst) zu gelangen, musst du zunächst deinen Geist durchschreiten. Daran führt kein Weg vorbei. Der Geist ist komplex und zuweilen tückisch. Ein Meditierender muss mutig und wie ein Krieger sein. Um sein Ziel zu erreichen, muss der Meditierende entschlossen sein und einen starken Wunsch nach höherer Erkenntnis haben. In der Meditation ist der Meditierende alleine mit seinem Geist. Niemand kann ihm helfen. Deshalb ist es wichtig, dass er eine Freundschaft mit seinem Geist pflegt. Der Geist ist ein mächtiges Instrument, er ist nicht unser Feind. Er ist das, was du aus ihm machst. Der Meditierende kann Fehler machen und der Geist kann ihn betrügen. Fehler zu machen, ist Teil des Prozesses und lehrt den Meditierenden sich selbst zu verzeihen und sich nicht unter Druck zu setzen.

Meditation ist eine Fertigkeit, die erlernbar ist und geübt werden muss

Mit Fortschreiten des Selbst-Entdeckungs-Prozesses,  erkennt der Meditierende, dass der Geist wie ein Schlachtfeld ist. Gefühle und Gedanken gegensätzlicher Natur zerren am Geist in unterschiedliche Richtungen. Der Meditierende wird sich intensiv aller Konflikte in seinem Geist bewusst. Wenn der Meditierende nicht Ahimsa praktiziert und nicht gelernt hat, Abstand zu nehmen, kann er darunter sehr leiden und sich weh tun. Meditation ist eine Fertigkeit, die nur durch stetiges Üben perfektioniert wird.

Mit der Praxis von Ahimsa und Vairagya (Nicht-Anhaftung) ist der Meditierende in der Lage, diese erste Schicht inakzeptabler Qualitäten sicher zu durchqueren. Er wird sich dann selbst vollständig akzeptieren. Von diesem Punkt an beginnt die wahre Meditation, bei der Gedanken, Gefühle und Energien fließen. Dharana, die frühe Phase der Meditation, führt dann zu Dhyana, dem Fluss der Meditation.

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