Die Lehre der Samaya Srividya Tradition und der Linie der Meister der Himalaya

Die drei Ströme der Himalaya Linie: Yoga, Advaita, Samaya Srividya

Die Lehre der Samaya Srividya Tradition und der Himalayan Linie, wie sie von Swami Rama unterrichtet werden, werden erläutert.

Die Lehre wird vom Meister an den Schüler weitergegeben, der dann wiederum ein Lehrer wird. Unsere Linie ist bekannt als Himalaya Linie und ist über 6.000 Jahre alt. Sie ist eine ununterbrochene Linie und geht zurück auf legendäre Meister wie die großen Heiligen Dattatreya und Vasishtha und historische Meister wie Adi Shankara und Swami Rama. 

Die Himalaya Linie bildet eine Familie mit anderen Linien, die ähnlich sind und die ebenfalls auf die oben erwähnten Heiligen zurückgehen. Diese Familie von Linien wird insgesamt als “Sampradaya” bezeichnet. Sampradaya bedeutet übersetzt Tradition. Unsere Tradition ist der Bewahrer der Lehre von Samaya Srividya und wird daher Samaya Srividya Tradition genannt. 

Samaya bedeutet "Eins mit der göttlichen Mutter". Srividya bedeutet "glückverheißende Weisheit". Samaya Srividya ist ein Privileg für diejenigen, die im Kreislauf von Tod und Wiedergeburt eine höhere Stufe erreicht haben und die diesen Kreislauf beenden und in diesem Leben Erleuchtung erlangen wollen. 

In der Himalaya Linie der Samaya Srividya Tradition gibt es drei Stufen der Einweihung: 

  1. Mantra, Achtsamkeitspraxis und Meditation
  2. Srividya, die innere Verehrung der göttlichen Mutter und Bindu Vedhan, Durchstechen der Perle der Weisheit
  3. Shaktipata, das Heraufführen der Kundalini Energie zum Sahasrara Chakra, dem tausendblütigen Lotus

Die Lehre der Himalaya Linie

Die Lehre unserer Linie basiert auf 3 Strömen:

  • Yoga
  • Advaita
  • Samaya Srividya Tantra 

Yoga

In der Himalaya Linie von Samaya Srividya ist Yoga, so wie es von Patanjali erklärt wird, eine vorbereitende Stufe. Die Samkhya Philosophie bildet die Basis des ersten Stroms in unserer Linie und Tradition. 

Yoga ist ausgerichtet auf die Unterscheidung zwischen Bewusstsein und Materie auf allen Ebenen. Diese Stufe der Praxis ist dualistisch.

In unserer Tradition und Linie werden Theorie und Praxis nie voneinander getrennt. Yoga bietet einen stufenweisen Ansatz, um das höchste Ziel der spirituellen Befreiung zu erreichen. In seiner reinen und ursprünglichen Form ist Yoga eine Methode, um Verhaltens- und Denkmuster zu verlernen. Dabei setzt Yoga spirituelle Einsichten oder mystische Erfahrungen voraus.

Der Schwerpunkt liegt nicht auf bloßer Information oder Wissen, sondern auf Weisheit. Es geht nicht um intellektuelle Gymnastik, sondern um Intuition. Yoga in der traditionellen Form hat nichts gemein mit den modernen Schulen des Yoga, die lediglich Formen der Gymnastik und Akrobatik sind. Es hat auch wenig mit Therapie-Einrichtungen oder New Age Esoterik zu tun.

Advaita

Der zweite Strom, Advaita, findet seinen Ausdruck in den Upanishaden. Die Upanishaden sind Schätzungen zufolge in der Zeit vom fünften bis zehnten Jahrhundert v. Chr. geschrieben worden, obwohl die Prinzipien in mündlicher Form bereits seit etwas 6.000 v. Chr. überliefert werden.

Das Präfix "A" bedeutet "nicht", das Wort "dvaita" bedeutet "zwei". Advaita bedeutet also "nicht zwei". Advaita ist eine nicht-dualistische Lebensphilosophie. Diese nicht-dualistische Herangehensweise an das Leben geht über alle Dualitäten wie Freude und Leid, Armut und Reichtum, jung und alt, hinaus und umfasst das ganze Leben als das Eine Göttliche. Die Trennung zwischen Wissendem und Wissen, zwischen Gott und seinem Verehrer, zwischen der Geliebten und dem Liebenden wird aufgehoben.

Dieser mystischer Ansatz ist nicht intellektuell zu erfassen sondern versucht Atman, das Zentrum des individuellen Bewusstseins zu erfahren, welches letztendlich Brahman, dem universellen Bewusstsein oder dem Absolut Einen und alles durchdringender Wirklichkeit, qualitativ gleichzusetzen ist. 

Samaya Srividya Tantra

Es gibt drei Arten des Tantra, von denen Samaya die reine interne Form darstellt, deren einziges Ziel die spirituelle Befreiung oder Erleuchtung ist. Es befasst sich mit den höheren Energie Zentren, bis zum Energiezentrum auf dem Scheitel des Kopfes, dem Kronen Chakra. Die Linie der Himalaya Meister betont dieses höhere Tantra Yoga.

Der dritte Strom von Samaya Srividya Tantra beschäftigt sich mit dem Energie System unseres Seins und geht direkt ins Zentrum unseres Bewusstseins. Es betont den kreativen Aspekt unseres Bewusstseins, auch Shakti genannt, und folgt diesem kreativen Aspekt zurück zu seiner Quelle.

Shakti ist das Mutterprinzip und Shiva das Vaterprinzip. Shiva, das Vaterprinzip, ist das Zentrum des Bewusstseins und Shakti, das Mutterprinzip, verkörpert den kreativen Aspekt oder die Welt, die sich aus dem Zentrum des Bewusstseins heraus manifestiert und schließlich zu seiner Quelle zurückkehrt.

Die Pfade der Himalaya Linie

 

Yoga

Raja Yoga, der königliche Weg des Yoga, umfasst alle anderen Pfade. Es wird auch als Ashtanga Yoga bezeichnet und bezieht sich auf die acht Glieder des Yoga, die in den Yoga Sutren von Patanjali beschrieben sind. "Ashta" bedeutet acht und "Anga" bedeutet Gliedmaßen. Es ist wichtig zu beachten, dass der Begriff Ashtanga Yoga erst vor kurzem im Westen als ein System von Körperübungen bekannt geworden ist. Dies steht nicht im Einklang mit der ursprünglichen Bedeutung des Wortes.

Im Yoga strebt der Aspirant an:

  • einen gesunden Lebensstil zu entwickeln
  • Einblicke zu gewinnen in die grundlegenden Konzepte des Yoga: Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Reinheit, Zufriedenheit, Selbststudium und Hingabe.
  • eine regelmäßige Zeit zur Meditation zu kultivieren
  • eine stabile Sitzhaltung in der Meditation zu entwickeln
  • einen ruhigen Atem zu entwickeln 
  • Sankalpa Shakti oder Entschlossenheit zu kultivieren
  • ablenkende Gedanken loszulassen
  • die Färbungen von Gedanken (kleshas) z.B. Unwissenheit, Abneigung, Ego, Anhaftung und Angst zu verringern
  • eine Haltung zur Selbstbeobachtung zu entwickeln 
  • ein gestochen scharfes Unterscheidungsvermögen zu entwickeln
  • sich systematisch nach innen zu bewegen in einem Prozess der Aufmerksamkeit, Meditation und tiefer Versunkenheit
  • Geist und Materie getrennt zu sehen vom reinen Bewusstsein 

Advaita

Während die moderne Annäherung zu Advaita zunehmend intellektuell ist, betont die Himalaya Linie der Samaya Srividya Tradition die Notwendigkeit für einen praktischen Ansatz. Dies geschieht durch kontemplative Techniken wie Selbsterforschung und Selbstbeobachtung. Diese von Weisen des Himalaya vorgeschlagene kontemplative Meditation ergänzt die Meditation über die Yoga Sutren.

Vedantische Meditation oder die praktische Herangehensweise an Advaita wird überwiegend Selbsterforschung oder Atma Vichara genannt. Diese Praktiken sind kontemplativ und ergänzen in der Regel die dualistischen Praktiken des Yoga.

In Advaita strebt der Aspirant an:

  • die vier Funktionen des Geistes zu beobachten: Manas, den Koordinator von Handlungen und Eindrücken; Chitta, das Reservoir von Erinnerungen, Emotionen und Wünschen; Ahamkara, die falschen Identitäten; Buddhi, als höhere Instanz im Hinblick auf Wissen, Entscheidungskraft, Urteilsvermögen und der Fähigkeit zu unterscheiden.
  • in kontemplativer Meditation die drei Ebenen der Wirklichkeit zu erforschen: Wachen, Träumen, und Tiefschlaf; Bewusstsein, aktives Unterbewusstsein und latentes Unterbewusstsein;  grobstofflich, subtil und kausal.
  • das Zentrum des Bewusstseins zu betrachten und durch eigene Erfahrungen dem Kern der Frage nachzugehen: "Wer bin ich?" und dabei die überlieferte Praxis "Atma Vichara" zu üben.
  • Schritt für Schritt über die Mahavakyas, die großen Weisheiten der Upanishaden, nachzusinnen. 

Samaya Srividya Tantra

Samaya Srividya ist der Weg der Meisterschaft. Der Aspirant ist kein gewöhnlich Suchender, sondern einer, der "Adhikar" hat. Adhikar bedeutet wörtlich "das Recht zu haben". Der Suchende muss über die erforderlichen Qualifikationen oder Voraussetzungen verfügen, um in die subtilen und erhabenen Geheimnisse des Samaya Srividya eingeweiht zu werden. Die folgenden drei Qualitäten sind für diesen Weg notwendig: 

  • Unterscheidungsvermögen
  • Ethische Normen und Werte
  • Der Wunsch, den Zyklus von Leben und Tod zu beenden

Der Suchende, der über die oben genannten Eigenschaften verfügt, wird als Adhikari bezeichnet. In unserer Linie weihen wir alle Adhikaris unabhängig von Geschlecht, religiösem Hintergrund, Rasse oder sozialem Status ein.

Unter der Leitung von und mit der Unterstützung des Guru, der Linie und der Tradition lernt der Adhikari:

  • die inneren Energien der Chakren zu meistern
  • die beiden Seiten des feinstofflichen Körpers, Ida und Pingala, Sonne und Mond oder dem Ha und Tha, wie diese dualen Aspekte auch genannt werden, auszugleichen
  • den zentralen Strom von Energie, Sushumna, das subtile Gegenstück der physischen Wirbelsäule zu öffnen, um damit die latente Energie zu erwecken, sie in diesem Kanal nach oben strömen zu lassen, um so die Quelle zu erreichen, von welcher sie ursprünglich entsprang
  • ein Mantra zu gebrauchen, um in die tiefsten Ebenen des Unterbewusstseins vorzudringen und das Verborgene an die Oberfläche zu bringen
  • den Prozess der Erweckung von Kundalini und die Rückführung zu ihrer Quelle zu meistern
  • über Tripura, diejenige, die in den drei Städten (tri = drei; pura = Stadt) des Bewusstseins, aktiven Unterbewusstseins, latenten Unterbewusstseins und des Wachzustands, Traumzustands und Schlafzustands lebt, zu reflektieren und zu meditieren 
  • zu "sehen", dass Geist und Materie eine grobe Form der Manifestation sind, die aus dem reinen Bewusstsein hervorgegangen sind
  • die bereits bestehende Vereinigung von Shiva und Shakti kennenzulernen, welche die latenten und aktiven Aspekte der Manifestation darstellen, die manchmal auch als das männliche Prinzip und das weibliche Prinzip bezeichnet werden. 

Texte der Himalaya Linie

 

Yoga Sutren von Patanjali

Yoga, so wie es von dem großen Weisen Patanjali beschrieben wird, ist eine grundlegende Praxis und ist in den Yoga Sutren kodifiziert (angeordnet oder systematisiert). Das Wort kodifiziert wird häufig verwendet, weil die Yoga-Wissenschaft vor über 2.000 Jahren von Patanjali aufgezeichnet wurde, obwohl die Wissenschaft selbst nicht neu war, sondern bereits über Tausende von Jahren vor diesem Zeitpunkt bekannt war. Patanjali kodifizierte Yoga in 196 Sutren (wörtlich Faden) und fasste so den Weg des Yoga zusammen.

Mandukya Upanishad

Von besonderer Bedeutung ist die Selbstbeobachtung des Wachzustands, des Traumzustands und des Tiefschlafs, welche der groben, subtilen und kausalen Ebenen der Realität gegenüberstehen. Es bedeutet nicht nur die Untersuchung des Bewusstseins, sondern auch des aktiven Unterbewusstseins und latenten Unterbewusstseins, so dass diese letztlich überwunden werden können. Diese Bewusstseinszustände sind in dem praxisorientierten vedantischen Text der Mandukya Upanishad zusammengefasst, welcher sich mit den 4 Ebenen des Om Mantra befasst.

Yoga Vasishtha

Die Yoga Vasishtha ist ein Teil des großen Epos Ramayana. Es ist ein Dialog zwischen dem Weisen Vasishtha und dem Prinzen Rama. Der Prinz ist ein Adhikari und fragt den Weisen nach der Beschaffenheit der Welt, dem Sinn des Lebens und stellt die grundlegendste Frage "Wer bin ich?" Die Yoga Vasishtha ist ein wahrhaft monistischer Text und kompromisslos in seiner Annäherung an Advaita.

Tripura Rahasya

Dies ist ein einzigartiger tantrischer Text. Während die meisten spirituellen Texte das Göttliche in ihrer männlichen Form darstellen, bezieht sich dieser Text auf das Göttliche in ihrer weiblichen Form. Mit einer Prinzessin, einer Einsiedlerin und der Göttin Sri Tripura Sundari als Lehrerin gilt dieser Text als äußerst unkonventionell. Er ist unerbittlich in seinem Ansatz und enthüllt das Höchste als nichts anderes als das reine Bewusstsein.

Saundarya Lahari

Saundarya Lahari bedeutet "Wellen von Glückseligkeit und Schönheit". Diejenigen, die nach esoterischen Erklärungen der Chakren und Kundalini suchen, werden hier enttäuscht sein. Saundarya Lahiri ist eine Sammlung mystischer Verse zum Lobpreis der göttlichen Mutter, die alle Ebenen der Wirklichkeit repräsentiert.

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