Ursprung und Geschichte des Yoga Teil 1

Industal Siegel

Wir spüren hier der Geburt des Yoga von seinen Anfängen im Indus-Tal bis in die vedische Zeit nach, wo er sich als Alternative zum Ritualismus entwickelte.

Bis vor kurzem glaubten westliche Akademiker und Indologen, dass sich Yoga erst um 500 v. Chr. entwickelte. Was jedes Kind in Indien weiß, wird heute durch archäologische Untersuchungen, sprachwissenschaftliche Analysen und Satellitentechnologie bestätigt: Yoga ist über 5000 Jahre alt.

Anfänge des Yoga in der Zivilisation des Industals

Die Indus-Zivilisation, auch bekannt als die Harappa-Zivilisation oder die Indus-Sarasvati-Zivilisation, blühte von 3300 bis 1800 v. Chr. Auf ihrem Höhepunkt erstreckte sich diese Kultur von Belutschistan an der iranischen Grenze in Pakistan bis über Neu-Delhi (Indien) im Osten sowie von Afghanistan und dem Himalaya im Norden bis Mumbai (Indien) im Süden. Dies ist die größte und am weitesten entwickelte städtische Zivilisation der Bronzezeit, die bis heute bekannt ist.

Heutige Erkenntnisse und Untersuchungen stützen die Theorie, dass das Indus-Tal sowohl die Heimat der indigenen Dravider als auch der sanskritsprachiger Arier war, die aus dem Norden kamen. Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass die Arier in die vorherrschende Kultur integriert wurden, ähnlich wie bei anderen ethnischen Gruppen in der späteren indischen Geschichte. Zwischen den Dravidern und Ariern kam es zu einer großen kulturellen und spirituellen Verschmelzung.

Archäologische Ausgrabungen, die 1921-22 im heutigen Pakistan durchgeführt wurden, zeugen von den frühen Wurzeln des Yoga. Eines der berühmtesten Fundstücke ist das einer männlichen Figur, die in der Lotusposition sitzt und von Tieren umgeben ist. Alles deutet darauf hin, dass dies Lord Pashupati (Herr der Tiere) war, eine Form von Shiva, die in Indien und Nepal bis heute verehrt wird. Diese und viele andere Funde zeigen eine erstaunliche Kontinuität zwischen der Zivilisation des Industals und der heutigen Hindu-Gesellschaft und Kultur.

Das Yoga und die Veden

Andere archäologische Funde aus dem Indus-Tal beinhalten Symbole, die bis heute in den spirituellen Vorstellungen der hinduistischen, buddhistischen und jainistischen Traditionen (oder Dharmas) anzutreffen sind. Die ersten Nachweise für Elemente hinduistischer spiritueller Glaubenssätze werden auf das vierte Jahrtausend v. Chr. datiert. Diese liegen in Form von phallischen Symbolen vor, die dem Shiva-Lingam ähneln, der symbolischen Form von Shiva, des Herr des Yoga.

Die Rig-Veda, eine der ältesten Schriften in der Menschheit, stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Die Rig-Veda ist die älteste der vier Veden. Die Veden sind die maßgeblichen Texte der hinduistischen spirituellen Tradition (oder Dharma) und Quelle des Wissens für über eine Milliarde Hindus in Indien, Nepal, Sri Lanka und für diejenigen, die sich in Südostasien, Südafrika oder auf den Karibischen Inseln angesiedelt haben.

Die älteste lebende spirituelle Tradition der Welt

Die Indus-Zivilisation ging um etwa 1800 v. Chr. unter, wahrscheinlich aufgrund tektonischer Ereignisse, die die Quellen des umliegenden Flusssystems veränderten und das Wasser in die Ganges-Ebene des heutigen Indiens umleiteten. Im Laufe der nächsten 100 Jahre wurden die großen Städte des Industals verlassen.

Der Untergang der Flusssysteme im Indus-Tal zwang die Bevölkerung, zur fruchtbaren Ganges-Ebene nach Zentralindien und weiter nach Süden bis zur Spitze der indischen Halbinsel zu wandern. Die Menschen nahmen dabei ihre Kultur und Spiritualität mit in die neue Heimat. Dies macht den Hinduismus zur die ältesten lebenden Tradition der Welt.

In den fruchtbaren Ebenen des Ganges begann ein neues Zeitalter, in dem die Yoga-Philosophie und Lebensweise verfeinert und spirituelle Praktiken entwickelt wurden.

Yoga und die spirituelle Krise

Die vedischen Rituale und Opfergaben führten zu höheren Bewusstseinszuständen, die in der Erkenntnis mündeten, dass das ganze Universum und die Natur selbst Opfergaben sind. Die vedische Opfergabe war eine mikrokosmische Darstellung des Prozesses der unaufhörlichen Zerstörung und Erneuerung des Lebens.

Die tiefere Bedeutung dieser Opfer wurde jedoch immer weiter verzerrt, und die späte vedische Periode wurde durch den Aufstieg des Brahmanismus und des mechanischen Ritualismus geprägt, der zu einem schrecklichen spirituellen Vakuum führte. Diese spirituelle Krise führte nicht nur zum Aufstieg der großen gnostischen Tradition der Upanischaden innerhalb der hinduistischen Tradition, sondern auch zum buddhistischen und Jain-Dharma. Dieser Zeitraum von 800 v. Chr. bis 300 v. Chr. war eine sehr dynamische Zeit.

Seher und Weisen wandten sich von Opfergaben und Ritualen ab. Sie lebten in ruhigen Wald-Einsiedeleien und erörterten die Lehren von der vollkommenen Einheit aller Dinge. Diese Literatur, bekannt als die Upanischaden, wurde in die Veden integriert. So bewahrt der erste Teil der Veden die Hymnen und Rituale der brahmanischen Priester, die bis heute in Gebrauch sind. Der zweite Teil, der Weg des Wissens, beschäftigt sich nicht mit Ritualen, sondern mit Weisheit. Diese gnostischen Texte stellen und beantworten tiefgreifende Fragen: Was ist Leben, was ist Tod? Wo war ich, bevor ich geboren wurde? Wohin werde ich gehen, wenn ich sterbe? Was ist der Zweck meines Lebens? Was ist mein Platz im Universum? Diese Literatur ist auch als Vedanta oder Advaita bekannt.

Yoga wird in den Upanischaden oft erwähnt. Das Wort, wie es in den Upanischaden verwendet wird, hat verschiedene Bedeutungen. Es bedeutet Joch, Harnisch, Verbindung, Kontemplation. In den späteren Upanischaden wird es auch im Sinne von Entsagung oder als Schulung der Sinne verstanden. So bildeten die Upanischaden die philosophische Grundlage des Yoga.

Yoga als eine Tradition spiritueller Praktiken, hat sich im Rahmen des hinduistischen, buddhistischen und jainistischen Denkens entwickelt. Während die Buddhisten und Jains die endgültige Autorität der Veden nicht akzeptieren, teilen sie trotzdem ein gemeinsames Erbe. Es ist wichtig zu erwähnen, dass die drei großen yogischen Traditionen der Hindus, der Buddhisten und der Jains im Laufe der Geschichte Inhalte frei voneinander übernommen haben und ermöglichten dadurch die Entstehung einer spirituelle Synthese und Verschmelzung.

Die großen epischen Werke: Ramayana und Mahabharata

Zwei große Epen dominieren die geistige und kulturelle Landschaft Indiens: Das Ramayana und das Mahabharata.

Das Ramayana wird traditionell dem großen Weisen Valmiki zugeschrieben. Dieses Werk, das seinen Schwerpunkt auf Pflichten, Wertvorstellungen und Sittlichkeit legt, übt einen starken Einfluss auf das kulturelle Leben des indischen Volkes aus. Eingebettet in dieses große Epos ist der Yoga Vasishta, ein erstaunlicher gnostischer Text, der die Fragen beantwortet, die alle spirituellen Suchenden stellen.

Das Mahabharata dominiert das spirituelle Leben Indiens. Das vom legendären Weisen Vyasa verfasste Epos wurde vermutlich über Jahrhunderte aus verschiedenen Quellen zusammengestellt. Als Geschichte von sich bekämpfenden Cousins diskutiert das Mahabharata Wertvorstellungen, Ethik und den Weg der Rechtschaffenheit. Die Bhagavad Gita, eingebettet in dieses große Epos, ist ein Dialog zwischen dem verstörten und verunsicherten Krieger Arjuna und seinem Wagenlenker Lord Krishna. In der Mitte des Schlachtfeldes, erklärt Lord Krishna die lebensbejahenden Lehren des Yoga. Dies als Symbol für die geistigen Konflikte und die gegensätzlichen Kräfte des Lebens 

Die Bhagavad Gita oder das Himmlische Lied, das aus nur 700 Versen besteht, verwendet viele Metaphern aus den Upanischaden. Die Bhagavad Gita ist eine unverzichtbare Lektüre für alle Schüler des Yoga, denn sie fasst die sublimen Lehren der Upanischaden und der verschiedenen Wege des Yoga zusammen.

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