Yoga und Hinduismus

Shiva Lingam

Wir versuchen, die historische Beziehung zwischen Yoga und Hinduismus zu verstehen.

Wer ist ein Hindu?

Historisch gesehen bezeichneten die alten Perser die Menschen, die das Land auf der anderen Seite des Indus bewohnten, als Hindus. Das Wort Hindu war kein Hinweis auf ihre Religion, sondern ein allgemeiner Begriff für alle Menschen, die ein gemeinsames ethnisches, kulturelles und soziales Erbe teilten und im heutigen Pakistan, Indien, Nepal und Bangladesch, bis hin zu Myanmar und Sri Lanka lebten. Dieses Land wurde nicht von einer einzigen Herrschergruppe regiert, sondern war eine Ansammlung von kleinen und großen Königreichen und ihren Protektoraten.

Das Wort Hindu kommt in der sehr alten Literatur gar nicht vor. Wahrscheinlich taucht dieses Wort erst im achten Jahrhundert v. Chr. in einem tantrischen Werk auf, wo es die Menschen und nicht die Anhänger einer Religion bezeichnet.

Wie nannten die Hindus ihren Glauben?

Die Hindus nannten ihren Glauben, ein System von Überzeugungen, Lebensstil und Einstellungen, Sanatana Dharma oder das Ewige Gesetz. Das Ewige Gesetz basiert auf den Offenbarungen und universellen Lehren der Veden.

Wenn sich Fremde trafen, fragten sie: Wer ist der Gott deiner Familie? Bist du ein Anhänger von Shiva, Krishna oder der Göttlichen Mutter? Diese personalisierten Formen Gottes wurden als konkrete Ausdrucksformen einer abstrakten Realität angesehen. Jeder folgte dem gleichen Ewigen Gesetz, unabhängig von seiner natürlichen Vorliebe für einen bestimmten Lehrer oder eine bestimmte Praxis. So sah (und sieht) der Hindu alle spirituellen Wege als gültig an.

Wann hat das Wort Hindu eine religiöse Färbung bekommen?

Seit etwa 800 n. Chr. litten die hinduistischen Königreiche unter häufigen Raubzügen durch islamische Armeen, die plünderten, brannten und dann in ihr eigenes Land zurückkehrten. Erst im 16. Jahrhundert n. Chr. beschlossen die islamischen Eroberer, sich im Land der Hindus niederzulassen. Dies war das erste Mal in der Geschichte, dass die Religionen des Buches (Judentum, Christentum und Islam) mit einem völlig anderen Glaubenssystem konfrontiert wurden, das keinen Anspruch auf Wahrheit hatte.

Als ein Muslim einen Hindu fragte: "Bist du ein Hindu?", bekam er Antworten, die er nicht klar kategorisieren konnte. Die Vielfalt der Antworten, wie z.B. ich bin ein Anhänger von Shiva, ich bin ein Brahmane oder ich bin ein Renunziat, hing davon ab, womit sich der Hindu zu diesem Zeitpunkt identifizierte. Da es fast unmöglich war, dieses vage und mehrdeutige Glaubenssystem zu definieren, definierten die Muslime es durch Negation: Jeder, der kein Muslim war, war Hindu. So wurde das Wort Hindu mit Religion in Verbindung gebracht.

Was ist Hinduismus?

Hinduismus war ein Wort, das von den Briten und anderen westlichen Mächten geprägt wurde, die Pakistan, Indien, Nepal und Bangladesch kolonialisierten. Das Wort bezog sich auf die bunte Sammlung von Göttern, Göttinnen, Philosophien, Überzeugungen, Weltanschauungen, Ritualen, Praktiken, sozialen und kulturellen Sitten und dem Rest des chaotisch-mysteriösen Gefüges des sozialen und geistigen Lebens.

Heute, wenn ein Westler einen Inder fragt: "Bist du ein Hindu?", fragt er nach seiner Religion. Der Inder denkt eine Weile nach und antwortet dann sehr langsam: "Ja". Denn viele Inder haben die westliche Vorstellung von Religion verinnerlicht.

Was haben Hinduismus bzw. die hinduistische Kultur mit Yoga zu tun?

Die hinduistischen, buddhistischen und jainistischen spirituellen Traditionen oder Dharmas sind alle aus einem gemeinsamen spirituellen Erbe hervorgegangen. Die universellen Praktiken des Yoga wurden von allen drei spirituellen Traditionen übernommen und mit der Zeit modifiziert. Dies erklärt die Unterschiede in den Yoga-Praktiken innerhalb jeder dieser spirituellen Traditionen.

Wenn man jedoch heute von Yoga spricht, meint man damit das Yoga, das sich aus der hinduistischen Tradition entwickelt hat. Die Begriffe Buddhistisches Yoga und Jain-Yoga werden in Indien nicht im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet.

Comments:

Write a Comment:

  • *
  • *
  • *
  • *