Die traditionellen Schulen des Yoga

Die Merkmale der traditionellen Richtungen des Yoga werden erläutert.

Für den Begründer einer Yoga-Richtung ist es bei weitem nicht genug, Inder zu sein oder einen indischen Namen zu führen um als traditionelle Yoga Richtung anerkannt zu werden. Was zeichnet dann also eine traditionelle Yoga-Richtung aus?
Nachfolgend werden die 4 wichtigsten Merkmale einer authentischen Yoga-Richtung erläutert:

1. Ziel ist Selbst-Realisierung oder spirituelle Transformation

Das Ziel aller traditionellen Yoga-Richtungen ist Selbst-Realisierung, spirituelle Transformation, Erlösung oder einfach DAS. Obwohl Gesundheit und Heilung nicht das primäre Ziel dieser Richtung sind, können sich diese für den Übenden als positive Nebeneffekte einstellen.

2. Mehrere Yoga-Richtungen werden verfolgt

Jede traditionelle Yoga-Richtung folgt einem oder mehreren Wegen im Yoga:

  • Karma, dem Weg des Handelns
  • Jnana, dem Weg des Wissens
  • Bhakti, dem Weg der Hingebung oder Verehrung oder
  • Raja, dem König des Yoga

Raja wird auch als Astanga, der achtgliedrige Pfad, bezeichnet.

Yoga Meister praktizieren auch die folgende Richtungen der mehr esoterischen Form des Tantra:

  • Mantra
  • Hatha
  • Laya
  • Kundalini

Diese unterschiedlichen Wege dienen unterschiedlichen Persönlichkeiten und verschiedenen Stufen in der Yoga-Praxis. Sie beruhen auf einer langen und historischen Tradition. Diese verschiedenen Wege sind nicht zu verwechseln mit den unzähligen Yoga-Arten, die in jüngster Zeit im Rahmen der nicht traditionellen Yoga-Richtungen entwickelt wurden.

Yoga Richtungen, die nicht eine oder mehrere dieser Wege beinhalten, sind nicht traditionelle Richtungen im Yoga.

3. Grundlegende Konzepte im Yoga basieren auf moralischer Grundhaltung und ethischen Werten

Alle traditionellen Yoga-Richtungen basieren ohne Ausnahme auf einer moralischen Grundhaltung und ethischen Werten, den Yamas und Niyamas.
Yamas sind die Beschränkungen, wie bspw. Gewaltlosigkeit und Wahrheit und die höchsten Grundsätze, auf denen Yoga aufbaut. Niyamas stellen die zu befolgenden Regeln dar, wie bspw. Übung und Studium, ohne die ein Fortschritt auf dem spirituellen Weg nicht möglich ist.

"Yoga Übungen wären ineffektiv ohne die Konzepte auf denen sie beruhen", sagte schon der berühmte Yogi Paramahansa Yogananda in seiner "Autobiographie eines Yogi" und bezog sich damit auf die Beschränkungen (Yamas) und zu befolgenden Regeln (Niyamas).

Die nicht-traditionellen Richtungen des Yoga lehren nicht das gesamte System des Yoga und lassen häufig bewusst diese Verhaltensregeln außen vor. Diese verkürzte Version des Yoga stellt eine falsche Repräsentation des traditionellen Yoga dar.

4. Ganzheitliche Tradition basiert auf Körper, Geist und einer spirituellen Dimension

Zwar konzentrieren sich die traditionellen Richtungen nicht ausschließlich auf den Körper, aber sie ignorieren ihn auch nicht. Körper und Geist sollen kein Hindernis auf dem Weg der spirituellen Transformation darstellen. Übungen und Philosophie werden verbunden, um dem Schüler unmittelbar zu helfen, seine Energie Schritt für Schritt von der körperlichen auf eine höhere spirituelle Ebene zu bringen.

Wie sind die Rituale der Brahmanen von der Bhakti-Tradition im Yoga zu unterscheiden?

Die gnostische Tradition des Yoga und der damit verbundenen Übungen wurde als Antwort auf die spirituelle Krise, verursacht durch die Rituale der Brahmanen, über Jahrtausende außerhalb jeder gesellschaftlicher Form von Einsiedlern in Wald-Universitäten und Höhlenklöstern entwickelt.

Alle Wege im Yoga bieten externe Übungen und Objekte der Konzentration an, um den Übenden auf eine höhere Ebene der Spiritualität vorzubereiten. Bhakti, der Weg der Hingebung, steht als authentischer und traditioneller Weg für Menschen mit einer Neigung zur Hingabe zur Verfügung. Zu den Übungen gehört u.a. auch das Singen von hingebungsvollen Liedern. Anbetung von Idolen oder Hingabe an den Guru sind ebenfalls Teil der Übungen. Diese externen Rituale führen den Übenden Schritt für Schritt zu reinen internen Ritualen und schließlich zur höchsten gnostischen Tradition.

In manchen rituellen Schulen hingegen werden Rituale nicht ausgeübt, um den Übenden auf eine höhere spirituelle Ebene zu führen, sondern verhelfen vielmehr den Brahmanen zu mehr Macht, führen zu Abhängigkeit und sind mit finanziellen Interessen verbunden.

Es ist wirklich interessant zu beobachten, dass viele Suchende aus dem Westen die Rituale der ihnen vertrauten Kirche ablehnen, aber sich mit offenen Armen den Ritualen der Brahmanen hingeben, die unter dem Deckmantel von Esoterik und Exotik, einen Mystizismus und höhere spirituelle Erfahrungen versprechen.

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