Die Yoga Sutren des Patanjali

Swami Hariharananda Aranya

Für den ernsthaften Schüler sind die Yoga Sutren eine der wichtigsten Schriften im Yoga

Die Yoga Sutren werden dem legendären Weisen Patanjali zugeordnet. Sie werden häufig auch als "Yoga Sutren des Patanjali" bezeichnet. Über die genaue Zeit der Erstellung dieses Werks und den Autor gibt es höchst unterschiedliche Auffassungen. Der herausragende Indologe Surendranath Dasgupta datiert das Werk auf 200 Jahre vor Christus. Wann immer auch die Yoga Sutren genau verfasst worden sind, eins steht fest: dieses Werk hat Yoga von reiner Mystik zu einer Wissenschaft erhoben.

Yoga Sutren und Buddhismus

Abgesehen von den Akademikern spielen für die meisten wahrhaft Suchenden auf dem Weg spiritueller Transformation die folgenden Fragen richtigerweise keine Rolle: Wurden die Yoga Sutren vor oder nach Buddha verfasst? Sind Teile der Yoga Sutren dem Buddha Dharma entnommen? War Patanjali der Gründes des Yoga? 

Obwohl die Yoga Sutren lange nach der Zeit Buddha's geschrieben wurden, reichten die Wurzeln von Samkhya und Yoga Philosophie in den Upanishaden schon in die Zeit Tausende von Jahren vor der Geburt Buddhas. Die Seher der Upanishaden übten einen großen Einfluss auf das gesamte spirituelle Spektrum aus, denn über die letzten 5.000 Jahre hinweg gab es eine stetige und beeindruckendende Verschmelzung verschiedener spiritueller Traditionen und Philosophien. Das Buddha Dharma und auch Yoga hat Grundkonzepte von den Sehern der Upanishaden übernommen.

Häufig wird Patanjali mit Buddha verglichen und als Gründer des Yoga bezeichnet. Tatsächlich war Buddha der Gründer des Buddha Dharma, aber Patanjali war lediglich derjenige, der die Yoga Sutren kodifiziert hat. Durch die erstmalige Kodifizierung der Yoga Sutren begründete Patanjali die Wissenschaft des Yoga. Die Yoga Sutren bestehen aus 196 kompakten Thesen, die in vier Kapitel oder Padas unterteilt sind. Pada bedeutet Fußschritt oder einfach Schritt.

Die Sutren und die Praxis der Kontemplation

Das Wort Sutra ist Sanskrit und bedeutet Faden. Hierbei wird ein Faden angedeutet, der von einer These zur nächsten führt. Die Sutren dienten nicht lediglich der Gedächtnisunterstützung sondern auch als Grundlage zur Kontemplation. Es ist wichtig zu wissen, dass Yoga eine lebendige Tradition in Indien war und ist, die von Meister zu Schüler weitergereicht wurde und wird. Der Schwerpunkt lag also auf der Meister-Schüler Beziehung und nicht auf wortreichen abstrakten Texten.

Das Werk entstand zu einer Zeit, als der Druck noch nicht erfunden war und die herkömmliche Methode auf Birkenrinde zu schreiben in keinster Weise beständig war. Deshalb wurde das Wissen in mündlicher Tradition überliefert und blieb dadurch erhalten. Jede Art von Wissen wurde in der damaligen Zeit als kurze und prägnante Thesen abgefasst. Bei dieser Form des Lernens lag der Schwerpunkt auf der Kontemplation und Integration jeder einzelnen Sutre, so dass sie sich setzen konnte und den Geist dadurch auf subtile Weise transformierte. 

Leider lernen heute selbst viele ernsthafte Schüler die Sutren auswendig, ohne dabei die wahre Bedeutung der Sutre wirklich verstanden zu haben. Dieses bloße Auswendiglernen bringt nur Akademiker, Intellektuelle und Priester hervor. Es führt in keinster Weise zu Einsicht oder Weisheit.

Die vier Kapitel sind: Samadhipada, Sadhanapada, Vibhutipada, Kaivalyapada

Einige Kommentatoren der Yoga Sutren des Patanjali

Da Patanjali nur kurze prägnante Thesen hinterließ, ist davon auszugehen, dass die Vermittlung dieser Thesen mit Übungen und Diskussionen verbunden waren.

Der bekannteste Kommentator der Yoga Sutren ist ohne Zweifel Vyasa. Dieser Kommentar (Vyasabhasya) war so berühmt, dass es sogar weitere Kommentare darüber gab, bspw. von Vachaspati und Vijnana Bhiksu.

Das Phänomen des Schreibens von Kommentaren über die Kommentare ging so weit, dass einige moderne Kommentatoren ganz Bücher nur über das erste Kapitel der Yoga Sutren geschrieben haben und dabei ganz vergaßen, dass der Zweck des Yoga nicht das akademische Studium der Sutren ist, sondern vielmehr in der Kontemplation, Introspektion und selbstverständlich den Übungen liegt.

Einer der herausragendsten Kommentatoren jüngster Zeit war der große Sankhya Yogi Swami Hariharananda Aranya. Sein Kommentar "Die Yoga Philosophie des Patanjali" ist ein Standardwerk in allen Yoga-Institutionen in Indien. Ein weiterer sehr respektierter Kommentator ist I.K. Taimini. Sein Buch "Die Wissenschaft des Yoga" ist ebenfalls in den Yoga Ashrams Indiens weit verbreitet. 

Comments:

Dennis from Aachen:
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