Yoga Sutren des Patanjali: Eine kurze Zusammenfassung

Flüchtige Samadhis sind nur von kurzer Dauer.

Der nachfolgende Artikel fasst die 4 Kapitel der Yoga Sutren des Patanjali zusammen.

Die Yoga Sutren sind ausschließlich gedacht für ernsthaft interessiert Suchende, die sich auf einen persönlichen Weg der Selbsttransformation und Befreiung begeben wollen.

Kapitel 1 der Yoga Sutren von Patanjali: Samadhi Pada

Diese Kapitel beschäftigt sich mit der grundlegendsten Frage: Was ist Yoga? Samadhi nimmt als höchstes Ziel im Yoga einen wichtigen Platz in diesem überlieferten Werk ein. Allerdings ist es selbst für die ernsthaftesten unter den Schülern ziemlich verwirrend, dass das erste Kapitel der Yoga Sutren gleich mit dem esoterischsten Erlebniszustand beginnt. Die erste Sutra gibt uns allerdings einen Hinweis.

Atha: Jetzt

Yoganushasanam: das Studium, Yoga Lehre, Yoga Darstellung

Atha Yogah anushasanam: Jetzt beginnt das Yoga Studium. Sutre I.1

Die gewählte Wortwahl legt nahe, dass der Schüler bereits vor dem Studium der Yoga-Sutren einen höheren Zustand von Spiritualität erfahren haben muss, entweder durch Anleitung von aussen oder durch eine spontane innere Eingebung.

Hat der Sadhaka (Übende) eine spontane spirituelle Erfahrung erlebt, beginnt seine Suche nach Anleitung und Unterstützung. Dann erst beginnt das ernsthafte Yoga-Studium. Der Sadhaka, der spontan einen mystischen Zustand erlebt hat, will unbedingt eine Erklärung, was mit ihm eigentlich passiert ist. Nur ein solcher Schüler interessiert sich überhaupt dafür die Natur seines Geistes und seiner Gedanken zu analysieren. Die unterschiedlichen Stufen des Samadhi werden im ersten Kapitel erklärt.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein unvorbereiteter Schüler die Yoga Sutren studiert. Tut er es dennoch, so bleibt es eine intellektuelle und akademische Übung. Nur diejenigen mit einem wirklich brennenden Interesse, verbunden mit Sadhana (Übung), sind in der Lage, den Text zu entschlüsseln.

Kapitel 2 der Yoga Sutren des Patanjali: Sadhana Pada

Ist der Schüler dann in der Lage, seine mystischen Erfahrungen zu analysieren, wird er zufrieden feststellen, dass er bei diesem inneren Abenteuer nicht allein ist, sondern dass von den großen Weisen eine Art „Fahrplan nach Innen“ überliefert wurde. Der Suchende ist nun auch überzeugt, dass er sich auf einen lohnenden Weg gemacht hat und beginnt einer systematischen Übungsmethodik zu folgen, mit dem Ziel, spirituelle Meisterschaft zu erlangen. Das Ziel ist dabei, einen hohen spirituellen Zustand willentlich zu erreichen und unabhängig zu werden von flüchtigen spirituellen Erfahrungen und gelegentlichen Einsichten.

Patanjali erklärt in diesem Kapitel einige grundlegenden Prinzipien des Yoga. Er spricht über Karma und Samsara und wie diese miteinander verbunden sind. Er erklärt weiterhin, dass dadurch Avidya (Unwissenheit) entsteht.

Patanjali spricht hier deutlich all diejenigen an, die eine systematische Methode anwenden wollen, um Selbst-Realisierung erreichen zu wollen. Hierfür empfiehlt er Astanga Yoga oder Raja Yoga. 

Um das System der von Patanjali empfohlenen Übungen zu verstehen, müssen wir das Wort „Astanga“ ethymologisch verstehen. „Asht“ bedeutet acht und „anga“ bedeutet Gliedmaßen. So wie die Gliedmaßen des Körpers, bilden die acht Teile des Yoga ein unzertrennbares und vollständiges Ganzes. Es sind also nicht einzelne Stufen gemeint, die nacheinander befolgt werden müssen, sondern vielmehr ist das gesamte System von Übungen einheitlich zu sehen.

Viele moderne Kommentatoren der Yoga Sutren übersetzen Astanga Yoga als die acht Stufen des Yoga und vermitteln Schülern den Eindruck, dass sie zunächst die unteren Stufen meistern müssen, bevor sie das Höchste erreichen können. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit „Bahiranga“, den fünf äußeren Gliedmaßen.

Kapitel Drei der Yoga Sutren des Patanjali: Vibhuti Pada

In diesem Kapitel setzt sich Patanjali mit den drei verbleibenden internen Gliedmaßen, “Antaranga”, auseinander. Demjenigen, der sich den Übungen vollständig widmet und realisiert, dass diese Welt eine Illusion ist und nur das „Selbst“ Realität ist, offenbaren sich „Siddhis“. Sidhis, also übernatürliche Kräfte wie die Fähigkeit zu Fliegen oder die Zukunft vorauszusagen, etc., sind nicht der Zweck des Yoga. Sie sind vielmehr Ablenkungen, wenn du im Labyrinth der magischen Kräfte verloren bist oder kennzeichnen Meilensteine auf dem spirituellen Weg.

Kapitel Vier der Yoga Sutren des Patanjali: Kaivalya Pada

Die vorherigen drei Kapitel sind in keinster Weise originell. Sie versuchen weder zu missionieren, eine bestimmte Glaubenslehre anzupreisen oder andere spirituelle Traditionen umzuwerfen. Patanjali´s einzige Aufgabe besteht darin, zusammenzufassen und zu systematisieren.

Das vierte Kapitel weicht allerdings hiervon völlig ab. In diesem letzten Kapitel wird die buddhistischen Philosophie kritisiert, was den Schluss nahelegt, dass dieses Kapitel von jemand anderem als Patanjali geschrieben wurde und zwar um die Position gegenüber den Angriffen der buddhistischen Metaphysik zu stärken.  

Comments:

Eva from Frankfurt:
Gute Zusammenfassung. Danke!

peter from Wien:
Danke für Deinen Zusammenfassung,
Peter

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